Urokompetenz Podcast mit Dr. Witt

Prostata raus – Harnröhre bleibt? Neue OP-Technik bei Prostatakrebs

04.10.2026
Kann bei einer Prostatakrebs-Operation die gesamte Prostata entfernt werden, während die Harnröhre erhalten bleibt? Eine neue roboterassistierte Operationstechnik namens ToP-RAP verfolgt genau diesen Ansatz. Ziel ist es, die Kontrolle über die Blase möglichst unmittelbar nach dem Eingriff zu erhalten, ohne dabei die sichere Behandlung des Tumors zu gefährden. Priv.-Doz. Dr. J.H. Witt stellt die neue Operationsmethode vor, an deren wissenschaftlicher Untersuchung er beteiligt ist. Im Mittelpunkt stehen der vollständige Erhalt der innerhalb der Prostata verlaufenden Harnröhre, die Bedeutung der Kontinenz nach einer Prostataoperation und die ersten Ergebnisse einer klinischen Studie. Eine Folge über eine vielversprechende Innovation in der Prostatakrebschirurgie, erste wissenschaftliche Erkenntnisse und die Frage, für welche Patienten eine solche Methode künftig infrage kommen könnte.
Urokompetenz Podcast mit Dr. Witt
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Prostata raus – Harnröhre bleibt? Neue OP-Technik bei Prostatakrebs
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Worum geht es in dieser Folge?

Kann bei einer Prostatakrebsoperation die gesamte Prostata entfernt werden, ohne die durch sie verlaufende Harnröhre zu durchtrennen? Genau diese Frage steht hinter einer neuen Operationstechnik, die einen wichtigen Fortschritt für den Erhalt der Harnkontrolle nach einer Prostataentfernung ermöglichen könnte.

In dieser Folge des Urokompetenz Podcasts stellt Priv.-Doz. Dr. J.H. Witt die sogenannte ToP-RAP-Technik vor. Das Kürzel steht für „Total en bloc Urethra Preservation at Robot-Assisted Prostatectomy“ und bezeichnet eine roboterassistierte Prostataentfernung, bei der die innerhalb der Prostata verlaufende Harnröhre vollständig erhalten bleibt.

Bei der herkömmlichen radikalen Prostatektomie wird die Prostata einschließlich des darin verlaufenden Harnröhrenabschnitts entfernt. Anschließend muss die Blase wieder mit der verbleibenden Harnröhre verbunden werden. Die neue ToP-RAP-Technik verfolgt einen anderen Ansatz: Die Prostata wird vom Harnröhrenabschnitt abgelöst, sodass dieser möglichst unversehrt erhalten bleibt.

Ziel ist es, die anatomischen Voraussetzungen für die Harnkontrolle besser zu bewahren und die Erholung nach dem Eingriff zu beschleunigen. Erste klinische Ergebnisse sind vielversprechend. Gleichzeitig ist die Methode noch Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen.

In dieser Folge erfahren Sie

  • Was hinter der neuen ToP-RAP-Operationstechnik bei Prostatakrebs steckt
  • Wie die Prostata entfernt werden kann, während die Harnröhre erhalten bleibt
  • Warum die Harnröhre für die Kontinenz nach einer Prostataoperation wichtig ist
  • Worin sich ToP-RAP von einer herkömmlichen radikalen Prostatektomie unterscheidet
  • Welche Rolle die roboterassistierte Chirurgie bei diesem Verfahren spielt
  • Welche Ergebnisse die ersten klinischen Untersuchungen zeigen
  • Warum die vollständige Entfernung des Tumors weiterhin oberste Priorität hat
  • Für welche Patienten eine solche Operationstechnik infrage kommen könnte
  • Weshalb weitere Studien notwendig sind, bevor die Methode umfassend bewertet werden kann

Warum dieses Thema wichtig ist

Die radikale Prostatektomie gehört zu den etablierten Behandlungsmöglichkeiten bei örtlich begrenztem Prostatakrebs. Bei diesem Eingriff werden die Prostata und die Samenblasen entfernt, um den Tumor möglichst vollständig zu beseitigen.

Neben der wirksamen Krebsbehandlung spielt für viele Patienten die Lebensqualität nach der Operation eine entscheidende Rolle. Besonders wichtig sind dabei die Harnkontinenz und die Erektionsfähigkeit.

Obwohl moderne Operationstechniken und die roboterassistierte Chirurgie immer präzisere Eingriffe ermöglichen, kann es nach einer Prostataentfernung vorübergehend oder dauerhaft zu Einschränkungen der Harnkontrolle kommen.

Die Ursachen dafür sind komplex. Die Harnröhre, der äußere Schließmuskel, der Beckenboden und verschiedene Haltestrukturen bilden ein fein abgestimmtes anatomisches System. Veränderungen an diesen Strukturen können die Fähigkeit beeinflussen, den Urin zuverlässig zu halten.

Weitere Informationen zu diesen Zusammenhängen finden Sie auf der Seite zur roboterassistierten Prostatektomie bei Urokompetenz.

Wie funktioniert die neue ToP-RAP-Technik?

Bei der herkömmlichen radikalen Prostatektomie wird die Harnröhre unterhalb der Prostata durchtrennt. Nach Entfernung des Organs verbindet der Operateur die Blase mit der verbleibenden Harnröhre. Diese chirurgische Verbindung wird als vesikourethrale Anastomose bezeichnet.

Die ToP-RAP-Technik verfolgt einen grundlegend anderen Ansatz.

Während der roboterassistierten Operation wird die Prostata vorsichtig von der innerhalb des Organs verlaufenden Harnröhre abgelöst. Die Harnröhre bleibt dabei möglichst vollständig und in ihrer natürlichen Kontinuität erhalten.

Dadurch kann auf die sonst notwendige Durchtrennung und erneute Verbindung zwischen Blase und Harnröhre verzichtet werden.

Die Operation erfordert eine äußerst präzise Präparation, da Prostatagewebe und Harnröhre unmittelbar aneinanderliegen.

Die eingesetzte Robotertechnik unterstützt den Operateur durch eine vergrößerte dreidimensionale Darstellung und besonders bewegliche Instrumente. Entscheidend bleibt jedoch die chirurgische Erfahrung und die genaue Beurteilung der individuellen Anatomie.

Warum könnte der Erhalt der Harnröhre die Kontinenz verbessern?

Die Fähigkeit, Urin zurückzuhalten, hängt von mehreren anatomischen und funktionellen Faktoren ab. Dazu gehören insbesondere der äußere Harnröhrenschließmuskel, die Beckenbodenmuskulatur und die unterstützenden Strukturen rund um die Harnröhre.

Bei der klassischen Prostataentfernung müssen Teile dieser anatomischen Verbindungen durchtrennt und anschließend wiederhergestellt werden.

Die Idee hinter ToP-RAP besteht darin, die natürliche Harnröhrenverbindung und damit möglicherweise wichtige Voraussetzungen für die Harnkontrolle zu erhalten.

Dadurch könnte sich die Kontinenz nach der Operation schneller erholen oder in bestimmten Fällen unmittelbar erhalten bleiben.

Ob diese theoretischen Vorteile tatsächlich zu besseren langfristigen Ergebnissen führen als etablierte Operationsverfahren, muss allerdings noch durch größere vergleichende Studien untersucht werden.

Was zeigen die ersten wissenschaftlichen Ergebnisse?

Eine 2026 veröffentlichte Untersuchung zur ToP-RAP-Technik liefert erste Erkenntnisse über die Durchführbarkeit, die Sicherheit und die funktionellen Ergebnisse.

In der Studie wurde bei 47 ausgewählten Männern eine Operation mit dem Ziel begonnen, die Harnröhre vollständig zu erhalten. Bei 39 Patienten konnte das geplante Verfahren durchgeführt werden. Bei acht Patienten wurde während der Operation auf das Standardverfahren gewechselt.

Detaillierte Ergebnisse wurden zunächst für 16 Patienten mit einer ausreichenden Nachbeobachtungszeit veröffentlicht.

Bei der ersten Untersuchung nach Entfernung des Katheters, etwa drei bis sechs Tage nach der Operation, waren 14 dieser 16 Männer nach der verwendeten ärztlichen Beurteilung kontinent.

Während der weiteren Beobachtungszeit erreichten insgesamt 15 der 16 Patienten eine sogenannte soziale Kontinenz. Das bedeutet, dass sie keine oder höchstens eine Sicherheitsvorlage benötigten. Zwölf Patienten kamen vollständig ohne Vorlagen aus.

Diese frühen Ergebnisse sind bemerkenswert. Sie müssen jedoch im richtigen Zusammenhang betrachtet werden.

Die untersuchte Patientengruppe war klein, es gab keine direkte Vergleichsgruppe mit einer herkömmlichen Prostataoperation und die Nachbeobachtungszeit betrug im Median nur 7,2 Monate.

Die Daten zeigen somit, dass das neue Verfahren bei sorgfältig ausgewählten Patienten technisch möglich ist und frühe funktionelle Ergebnisse vielversprechend sein können. Sie beweisen noch nicht, dass ToP-RAP einer etablierten Prostataoperation überlegen ist.

Eine ausführliche Darstellung der Studie finden Sie im Beitrag Prostatakrebs operieren und die Harnröhre erhalten: Die neue ToP-RAP-Studie.

Wie wird die Sicherheit der Krebsoperation gewährleistet?

Bei jeder Operation wegen Prostatakrebs bleibt die vollständige und sichere Entfernung des Tumors das wichtigste Behandlungsziel.

Eine besonders schonende Operationstechnik darf deshalb nicht dazu führen, dass möglicherweise tumorbefallenes Gewebe im Körper zurückbleibt.

Bei der ToP-RAP-Technik werden aus diesem Grund bereits während des Eingriffs zusätzliche Sicherheitskontrollen durchgeführt.

Dazu gehört unter anderem die feingewebliche Untersuchung ausgewählter Schnittränder. Mithilfe eines intraoperativen Schnellschnitts kann geprüft werden, ob an den untersuchten Geweberändern Tumorzellen nachweisbar sind.

Zusätzlich wird bei diesem Verfahren die Durchblutung der erhaltenen Harnröhre kontrolliert.

Wenn die Voraussetzungen für einen sicheren Harnröhrenerhalt nicht gegeben sind, kann der Operateur während des Eingriffs auf die etablierte Operationstechnik wechseln.

Die veröffentlichten frühen Ergebnisse zur Tumorkontrolle sind ermutigend. Wegen der bislang kurzen Nachbeobachtung lassen sich daraus jedoch noch keine zuverlässigen Aussagen über langfristige Heilungsergebnisse ableiten.

Für welche Patienten könnte ToP-RAP geeignet sein?

Nicht jeder Patient mit Prostatakrebs kommt für eine harnröhrenerhaltende Prostataentfernung infrage.

Entscheidend sind unter anderem die genaue Lage des Tumors, sein Aggressivitätsgrad, die Ausdehnung innerhalb der Prostata und die anatomischen Voraussetzungen.

Besonders wichtig ist, dass der Tumor nicht so nahe an der zu erhaltenden Harnröhre liegt, dass dadurch die sichere Krebsentfernung gefährdet würde.

In der frühen wissenschaftlichen Untersuchung wurden deshalb nur Patienten berücksichtigt, die bestimmte Voraussetzungen erfüllten. Dazu gehörten unter anderem festgelegte Grenzen für den PSA-Wert, das Prostatavolumen und den Aggressivitätsgrad des Tumors.

Die neue Technik ist derzeit ein spezialisiertes Verfahren in der klinischen Entwicklung und nicht mit einer allgemein etablierten Standardoperation gleichzusetzen.

Ob ein solches Verfahren sinnvoll sein könnte, muss nach einer vollständigen Diagnostik und unter Berücksichtigung der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse entschieden werden.

Was bedeutet diese Entwicklung für die Zukunft?

Die ToP-RAP-Technik zeigt, in welche Richtung sich die moderne Prostatakrebschirurgie weiterentwickeln könnte.

Neben der möglichst vollständigen Entfernung des Tumors rückt der Erhalt wichtiger Körperfunktionen immer stärker in den Mittelpunkt.

Neue chirurgische Verfahren versuchen, die Anatomie so weit wie möglich zu schonen, ohne Kompromisse bei der notwendigen Krebsbehandlung einzugehen.

Die ersten Ergebnisse zur harnröhrenerhaltenden Prostataentfernung sind ein interessanter Schritt. Ob sich daraus langfristig ein neuer Behandlungsstandard entwickelt, werden erst weitere Untersuchungen mit größeren Patientengruppen und längerer Nachbeobachtung zeigen.

Für Patienten bedeutet dies vor allem, dass sich die Möglichkeiten der operativen Behandlung weiterentwickeln. Welche Methode im individuellen Fall geeignet ist, hängt jedoch weiterhin von der konkreten Erkrankung, den verfügbaren wissenschaftlichen Daten und einer sorgfältigen ärztlichen Beratung ab.

Weiterführende Informationen

Eine ausführliche Einordnung der neuen Operationstechnik und der ersten klinischen Studiendaten finden Sie im Urokompetenz-Beitrag ToP-RAP bei Prostatakrebs – Harnröhre erhalten und Kontinenz verbessern?.

Wie die roboterassistierte Prostataentfernung funktioniert und welche Bedeutung die operative Präzision hat, erfahren Sie unter Roboterassistierte Prostatektomie bei Urokompetenz.

Welche Bedeutung die Harnkontrolle nach einer Operation hat und wie die Nachsorge erfolgt, lesen Sie unter Nachsorge bei Prostatakrebs.

Mehr über Schließmuskel, Nerven und die Bedeutung der individuellen Anatomie erfahren Sie außerdem in unserer Podcast-Folge Kontinenz und Potenz nach Prostata-OP – Warum die Anatomie entscheidend ist.

Video zur Folge

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Mehr Informationen

Medizinischer Hinweis

Diese Podcast-Folge dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die ToP-RAP-Technik ist ein neues, noch in der klinischen Untersuchung befindliches Operationsverfahren und nicht für jeden Patienten mit Prostatakrebs geeignet. Die bisher veröffentlichten Ergebnisse beruhen auf kleinen, sorgfältig ausgewählten Patientengruppen und einer begrenzten Nachbeobachtungszeit. Ob eine harnröhrenerhaltende Operation medizinisch sinnvoll und sicher durchgeführt werden kann, hängt insbesondere von Tumorlage, Tumorausdehnung, Aggressivitätsgrad, individueller Anatomie und weiteren Befunden ab. Die sichere Behandlung der Krebserkrankung hat stets Vorrang vor dem Erhalt einzelner anatomischer Strukturen. Die geeignete Therapie sollte nach vollständiger urologischer Diagnostik und individueller fachärztlicher Beratung festgelegt werden.