Worum geht es in dieser Folge?
Bei einer Prostatakrebs-Operation sollen zwei wichtige Ziele miteinander verbunden werden: Der Tumor soll möglichst vollständig entfernt werden, gleichzeitig sollen die für Kontinenz und Erektionsfähigkeit wichtigen Strukturen bestmöglich geschont werden. Ob beides gelingt, hängt unter anderem davon ab, wie nah der Tumor an den Rand der Prostata und an die benachbarten Nervenstrukturen heranreicht.
Eine wichtige Unterstützung während der Operation kann der sogenannte Schnellschnitt sein. Dabei werden ausgewählte Gewebebereiche noch während des laufenden Eingriffs von der Pathologie untersucht. Der Operateur erhält dadurch eine vorläufige Rückmeldung, ob sich an den untersuchten Schnitträndern Tumorzellen befinden.
In dieser Folge des Urokompetenz Podcasts erklärt Priv.-Doz. Dr. J.H. Witt, was hinter dem Begriff Schnellschnitt steckt, wie die Untersuchung während einer Prostatakrebs-Operation abläuft und welche Bedeutung das Ergebnis für das weitere operative Vorgehen haben kann.
Was ist ein Schnellschnitt?
Nach der Entfernung der Prostata werden ausgewählte Gewebebereiche, insbesondere die an den Gefäß-Nerven-Bündeln gelegenen Ränder, unmittelbar an die Pathologie übergeben. Dort wird das Gewebe eingefroren, in sehr dünne Schichten geschnitten, gefärbt und unter dem Mikroskop untersucht. Daher stammt die Bezeichnung Schnellschnitt oder Gefrierschnitt.
Die Pathologin oder der Pathologe beurteilt, ob am untersuchten Rand Tumorzellen nachweisbar sind. Ist der Schnittrand tumorfrei, kann dies die Entscheidung unterstützen, benachbarte Nervenstrukturen zu erhalten. Werden hingegen Tumorzellen am Rand gefunden, kann der Operateur noch während desselben Eingriffs zusätzliches Gewebe entfernen.
Eine besondere Form dieser intraoperativen Schnittrandkontrolle wird als NeuroSAFE-Technik bezeichnet. Dabei werden gezielt die Gewebeflächen untersucht, die unmittelbar an den für die Erektionsfähigkeit wichtigen Gefäß-Nerven-Bündeln liegen. Ziel ist es, so viel gesundes Gewebe wie möglich zu schonen, ohne die vollständige Entfernung des Tumors aus den Augen zu verlieren.
In dieser Folge erfahren Sie
- Was bei einer Prostatakrebs-Operation als Schnellschnitt bezeichnet wird
- Warum Gewebe bereits während der Operation untersucht wird
- Wie die Pathologie einen Schnellschnitt anfertigt und beurteilt
- Was ein positiver oder negativer Schnittrand bedeutet
- Was hinter dem Begriff NeuroSAFE steckt
- Welche Rolle der Schnellschnitt beim Erhalt der Nerven spielen kann
- Wann während der Operation zusätzliches Gewebe entfernt werden kann
- Warum der Schnellschnitt die endgültige Gewebeuntersuchung nicht ersetzt
Warum dieses Thema wichtig ist
Vor einer Prostataoperation lässt sich anhand von MRT, Biopsie, PSA-Wert und weiteren Befunden einschätzen, wie weit sich der Tumor wahrscheinlich ausgebreitet hat. Eine vollständig sichere Beurteilung mikroskopisch kleiner Tumorausläufer ist vor dem Eingriff jedoch nicht immer möglich.
Der Operateur steht deshalb häufig vor einer Abwägung: Werden die angrenzenden Gefäß-Nerven-Bündel großzügiger geschont, kann dies für den Erhalt der Erektionsfähigkeit von Vorteil sein. Gleichzeitig darf kein erkennbares Tumorgewebe im Körper zurückbleiben. Der intraoperative Schnellschnitt liefert zusätzliche Informationen, mit denen diese Entscheidung noch während der Operation angepasst werden kann.
Ein unauffälliger Schnellschnitt ist jedoch keine Garantie dafür, dass sich im gesamten entfernten Gewebe keine weiteren Tumoranteile befinden. Nach dem Eingriff wird die komplette Prostata deshalb ausführlich histopathologisch untersucht. Erst dieser endgültige Befund liefert unter anderem genaue Angaben zum Tumorstadium, zum Aggressivitätsgrad und zu den Schnitträndern.
Auch ein positiver Schnittrand muss individuell eingeordnet werden. Seine Bedeutung hängt beispielsweise von der Ausdehnung, der Lage und den weiteren Eigenschaften des Tumors ab. Das Ergebnis sollte deshalb gemeinsam mit dem behandelnden Urologen besprochen und bei der Planung der Nachsorge berücksichtigt werden.
Diese Episode richtet sich an Männer, bei denen eine operative Entfernung der Prostata geplant ist, sowie an Angehörige, die den Ablauf einer Prostatakrebs-Operation und die Bedeutung der intraoperativen Gewebeuntersuchung besser verstehen möchten.
Video zur Folge
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenMedizinischer Hinweis
Diese Podcast-Folge dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Welche Operationstechnik und welcher Umfang des Nerverhalts im persönlichen Fall sinnvoll sind, kann nur anhand der individuellen Befunde entschieden werden.